Islamische Azad Universität
Teheran Markazi
Fakultät für Fremdsprachen – Deutsche Abteilung
Magisterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades
Magister Artium (M.A.)
Fachrichtung:
Didaktik der deutschen Sprache
Thema:
Eine Untersuchung der Übersetzungen des Heiligen Korans
nach Theorie von Eugene Nida
Betreuer:
Herr Dr. Said Firuzabadi
Mitbetreuerin:
Frau Dr. Mehri Ghadimi Nouran
Vorgelegt von:
Zahra Ebrahimi
Teheran, September 2014
Im Namen Allahs,
des Allerbarmers, des
Gnädigen
Dem Zwölften Imam, dem Protektor, dem Erlöser,
dem Friedensstifter, dem von vielen Menschen längst
erwarteten, gewidmet,
und auch
Meiner freundlichen und liebevollen Eltern, die mir in allen Tätigkeiten meines Lebens beigestanden haben
Danksagung
Zunächst widme ich dem lieben Gott meinen besten herzlichen Dank, der mir zu diesem Weg führte und mich stets in seinem nie schlafenden Auge und unter seinem Gnade behielt und mich in Schutz genommen hat.
Nächstens danke ich an dieser Stelle alle meinen bisherigen Lehrer/innen und Dozenten.
Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Dr. Firuzabadi, dem Betreuer dieser vorliegenden Arbeit, für die Unterstützung und die Betreuung, auch zahlreiche wertvolle Hinweise, die er mir gab.
Ebenso gebührt meiner Familie großer Dank, die mir während des Studiums sehr geholfen und unterstützt hat.
Außerdem bin ich auch meinen Eltern zu Dank verpflichtet, die mich immer wieder auf den Weg zum Abschluss der Arbeit zurückgeführt haben.
Zahra Ebrahimi 7 September 2014
Inhaltsverzeichnis
Vorwort1
Einleitung2
Koran und seine Übersetzungen5
Äquivalenzdiskussion20
Nida und seine Theorie20
Nida und Tabers Übersetzungsmethode27
Grundvoraussetzungen für gute Koranübersetzung31
An-Nās: Eine Einführung34
Urtext34
Transliteration der Sure An-Nās34
Übersetzung der Sure An-Nās35
Der Offenbarungsanlass von Sure An-Nās35
Der Rhythmus des Korans36
Kommentar und Erläuterung37
Wortwurzel und Bedeutung39
Biographien der deutschsprachigen Koranübersetzer47
Friedrich Rückert (1788-1866)47
Max Henning (1861-1927)51
Rudi Paret (1901-1983)53
Adel Theodor Khoury (1930- )57
Muhammad Ahmad Rassoul ( – )60
Analyse ausgewählter Koranübersetzungen der Sure An-Nās63
Die Untersuchung der Koranübersetzung von Friedrich Rückert63
Die Untersuchung der Koranübersetzung von Max Henning
67
Die Untersuchung der Koranübersetzung von Rudi Paret71
Die Untersuchung der Koranübersetzung von Adel Theodor Khoury75
Die Untersuchung der Koranübersetzung von Muhammad Ahmad Rassoul79
Schlussfolgerung83
Literaturverzeichnis86
Anhang91

von Seif al-Islam Holger Böttger

Im Namen des allbarmherzigen und gnädigen Gottes
Einleitung
Im Laufe der Geschichte werden oft die Heiligen Schriften von verschiedenen Personen mit ganz unterschiedlichen Zielen übertragt. Die wichtigste textliche Grunlage des Islam ist der Koran, der als das dem Propheten Mohammed offenbarte Wort Gottes gilt. Nach der Entwicklung des Islam, als Nicht-Araber Islam angenommen haben und kein Wort arabisch verstanden, wurde die Notwendigkeit der Koranübersetzung eher gefühlt. Diese nicht-arabischen Muslimen wollten gern wissen, was der Koran, als Gottes Wort, sagt, was seine Botschaft und sein Inhalt ist. Deshalb hat man nach und nach die Übersetzung des Korans für wichtiger empfunden. Die erste Koranübersetzung in europäische Sprachen wurde im 11. Jahrhunderts angefertigt und im 18. Jh. sich entwickelt. Einige dieser Übersetzungen spiegelten stark die dogmatischen Vorbehalte der Kirche wieder. Seit dem Hochmittelalter waren lateinische Koranübersetzungen verbreitet, die als Grundlage für die Missionierung von Muslimen verwendet wurden; in späteren Jahrhunderten veranlaßte rein religionswissenschaftliches Interesse eine Reihe von Übersetzungen in verschiedene europäische Sprachen. Die Koranübersetzung entstand im europäischen Raum in einem kontroversen Diskurs und hat sich für lange Zeit in diese Richtung entwickelt. Erst in den letzten Jahren gewann dieses Thema eine Bedeutung und versucht die Fragen wie: „Wie soll man die heiligen Schriften übersetzen? Welche Probleme tauchen während der Übersetzung von heiligen Schriften auf? Welche Strategien gibt es, um diese Probleme zu lösen?“ genaue Antworten zu finden.
Unter den Europäern haben die Deutschen an Koranübersetzen einen großen Anteil, so dass mehr als 30 Übersetzer mit verschiedenen Religionen, Staatsangehörigkeiten und Motivationen dieses himmlische Buch übertragen haben.
Zwiefellos sind diese Koranübersetzungen nicht fehlerfrei. Manche dieser Fehler sind aus böser Absicht gegen den Islam und manche natürlich unabsichtlich geschrieben worden. Die negativen Auswirkungen dieser Fehler richten sich direkt auf die Grundlagen des Islam und stellen ein falsches Bild von dieser Religion dar.
Bei der Untersuchung der starken und schwachen Punkte dieser Koranübersetzungen werden die Ergebnisse zu einer fliessenden Koranübersetzung führen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist, verschiedene Übersetzungen für eine Sure des heiligen Koran nach Theorie von Eugene Nida zu untersuchen.
Die vorliegende Arbeit besteht aus sieben Kapiteln. Das zweite Kapitel handelt sich über die Geschichte der Koranübersetzung sowie mit den deutschen Koranübersetzern.
Im dritten Kapitel werden nach der Theorie von Eugene Nida „die formale und dynamische Äquivalenz“, Nida und Tabers Übersetzungmethode dargestellt.
Das vierte Kapitel bezieht sich auf die Untersuchung einer Sure des Korans. Für diese Untersuchung habe ich die Sure „An-Nas“ unter den anderen Suren des Korans ausgewählt. Die Sure „An-Nas“ ist die letzte Sure des heiligen Korans und besteht aus sechs Versen.
In dieser Phase werden eine Übersetzung von Sure An-Nas, ihr Offenbarungsanlass, ein Kommentar zu jedem Vers auch Wortwurzel und Bedeutungen ausführlich untersucht.
Im nächsten Kapitel werden die Biographien der ausgewählten Koranübersetzer erklärt.
Im letzten Kapitel meiner Arbeit untersuche ich die äquivalenten Wörter, die jeder Übersetzer bei seiner Arbeit verwendete. Durch die Untersuchung der Biographien der ausgewählten Koranübersetzer kann man auch neue Punkte feststellen, die im Vergleich ihrer Übersetzungen eine wirksame Hilfe sind. Der wichtigste Zweck, den ich in meiner Arbeit verfolgte, bedeutet die Untersuchung der Nachteile und auch Vorteile dieser Koranübersetzungen.
In dieser Arbeit werden die wichtigsten Koranübersetzungen ins Deutsche aufgrund der zwei folgenden Prinzipien untersucht:
Gestalt
Gehalt
Die Schlussfolgerung bildet den Abschluss der Arbeit.
Koran und seine Übersetzungen
Der Koran ist der zentrale religiöse Text des Islam und eine Offenbarung von Gott. Es wird weithin als das schönste literarische Stück in arabischer Sprache angesehen. Koran ist das göttliche Buch des letzten Propheten, Mohammed (s.a.a.s.: Friede und Segen sei auf ihm).
Seit Beginn der Offenbarung des Korans machte es viele Muslimen, Nichtmuslimen und auch Islam-Gegner auf sich aufmerksam. Damit ist und bleibt Koranübersetzung immer ein aktuelles Thema.
Nach Annemarie Schimmel ist der Islam unter allen Religionen, mit denen sich das Christentum auseinanderzusetzen hatte, die am meisten angegriffene, am meisten missverstandene gewesen. Die rund ein Jahrtausend anhaltende Bedrohung des Abendlandes durch islamische Mächte_ beginnend von der Einnahme Spaniens durch die Araber zu Beginn des 8. Jahrhunderts, endend mit der Belagerung Wiens durch die Türken 1683 _ hat dazu beigetragen, den Islam und seine Bekenner als Erzfeinde des Christentums anzusehen. (Schimmel, 1991: 7)
Der erste Übersetzer des Korans war Salman der Perser. Er war der aufrichtige Freund der Ahl-ul-Bait des Propheten (s.a.a.s.) und ein sympathischer Gefährte in allen Lebenslagen. Ein angesehener und streng gläubiger Muslim, der den Iran auf der arabischen Halbinsel berühmt machte. Einer der ersten nicht-arabischen Muslime. Er wurde durch den Propheten (s.a.a.s.) von der Vielgötterei (Polytheismus) befreit.
Nach der Botschaft des Korans wurden die Thora von den Juden und die Bibel von den Christen verfälscht, so dass Gott letztmalig Sein Wort durch Seinen Propheten Muhammad (s.a.a.s.) den Menschen kündete. Deshalb haben Thora und Bibel ihre Korrektur und Vollendung im Koran gefunden. Diese Faktoren verursachen, dass einige fanatische Christen aus Angst vor der Entwicklung der Lehren des Islam unter den Menschen nach Gründen zur Verleugnung der islamischen Religion suchten.
Nach der Niederlage der Christen in den Kreuzzügen and Annahme der großen Fortschritte der Muslimen in verschiedenen Bereichen fanden die christlichen Kirchenführer heraus, dass sie, um den Einfluss des Islam zu vorbeugen, gezwungen sind, einen geistigen Kampf gegen Anhänger dieser Religion zu führen. Damit gab Abt von Cluny, Petrus Venerabilis, auf seiner Reise nach Spanien im Jahr 1141 in Aufrag, den Heiligen Koran ins Lateinische zu übersetzen. Venerabilis wollte dem Islam nicht mit Gewalt entgegentreten, sondern er versuchte, ihm mit der Kraft des Wortes entgegen zu treten:
„Dass man die Häresie Muhammeds 1 nicht mit der blinden Gewalt der Waffen bekämpfen, sondern mit der Macht des Wortes durch Vernunftgründe in christlicher Liebe widerlegen müsse.“ (Fück, 1955: 5)
In diesem Zusammenhang lässt sich die Koranübersetzung als ein Grundlagenwerk zur Widerlegung des Islam betrachten. Die Hauptabsicht von Petrus, die er mit der Übersetzung des Korans und auch der einigen islamischen Werke „Corpus Toletanum od. Collectio Toletana“ verfolgte, war es, den europäischen Christen exakte Informationen über den Islam zur Verfügung zu stellen. Diese Übersetzung ist nicht frei von Fehlern. Die Schwierigkeit der arabischen Sprache und die oft verschlüsselte Ausdrucksweise des Korans führte zu Fehlübersetzungen, willkürlichen Änderungen und Auslassungen von Suren. (Vgl. Zeitschrift „Tarğomāne Wahy“, 1379, Nr.7, S. 36)
Mehr als 500 Jahren lang beeinflusste diese Übersetzung das Islambild der abendländischen Christen. Sie wurde wiederum vielfach kopiert und blieb bis ins 16. Jahrhundert hinein die wichtigste und auch eine sehr fehlerhafte Quelle für die Kenntnis des Korantextes im Abendland. Eine dieser Kopien gelangte schließlich in den Besitz Martin Luthers, der sie seinerseits wiederum Theodor Bibliander zur Überprüfung der Übersetzung und zur Veröffentlichung anvertraute. Neben dieser Textversion benutzte Bibliander für seine Arbreit noch drei weitere Manuskripte (ein arabisches und ausserdem noch drei weitere Kopien) der Arbeit Robert von Kettons, die er sich zusätzlich beschafft hatte. Somit hatte er zumindest einen groben lateinischen Textvergleich. Etwas Arabisch konnte Bibliander lesen, aber er beherrschte die Sprache keineswegs. Bibliander verglich nur wenige Wörter, vor allem die Eigennamen, und setzte seine Darlegungen in den Anhang. Somit blieb die Übersetzung ungenügend, stellenweise sogar unverständlich und so wundert es nicht, dass Gustav Pfannmüller mit seiner Kritik „Die lateinische Übersetzung verdient jedoch eigentlich diesen Namen nicht und hat kaum einige Ähnlichkeit mit dem Original.“ (Pfannmüller, 1923: 213) die ganze geleistete Arbeit Biblianders zerriss.
Bibliander hatte ein wissenschaftliches Interesse an der arabischen Sprache, was ihn dazu brachte, eine neue lateinische Übersetzung des Korans herauszugeben. Sein Freund, der Basler Drucker Johann Oporin, besorgte ihm dafür einen lateinischen und einen arabischen und auch christliche Gegenschriften. Für das Verständnis des Arabischen war ihm Wilhelm Postel (1510-1581) eine wertvolle Hilfe, der die erste arabische Grammatik herausgegeben hatte.
Trotz vielfältiger Widerstände- Oporin wurde sogar inhaftiert, weil er keine Lizenz zum Druck hatte- wurde der Koran schließlich doch noch gedruckt. Luther selbst hatte sich für die Erlaubnis des Druckes eingesetzt.
Der Korantext hatte mit der von Bibliander geschriebenen Vorrede und der Rechtfertigung als Standardwerk in den folgenden zwei Jahrhundert eine große Bedeutung. Mit der Edition machte Bibliander den Koran der europäischen Öffentlichkeit zugänglich und ermöglichte so eine Grundlage für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Islam. (Harmut Bobzins Referat an der Universität Zürich unter dem Titel „Asien und Europa“, 02.05.2006)
Der erste deutsche Koranübersetzer ist Johann Albrecht Widmannstetter. Er übersetzte Koran ins Deutsche und auch Lateinische gegen 1543, aber diese Übersetzung ist bis heute nicht erschienen. Es gibt eine Kopie von dem Text im staatlichen Museum in Bayern.
Der zweite deutsche Koranübersetzer ist Salomon Schweigger. Er ist ein evangelischer Prediger. Seine Übersetzung basierte völlig auf der Übersetzung von Italiener Andre Arrivabene, der 1547 das Heilige Koran übersetzt hatte; als Folge davon erschienen die Übersetzungfehler von Arrivabene auch im Schweiggers Text. (Vgl. Fück, 1955: 9)
Papst Alexander der Siebte hatte für viele Jahre Vervielfältigung und Druck des Heiligen Koran in Europa verboten. 1694 druckte aber Abraham Hinckelmann, ein deutscher evangelischer Theologe und Orientalist, der Heilige Koran, damit wurde den Boden für die weitere Koranübersetzungen vorbereitet. Literarisch hat Hinckelmann sich besonders als Orientalist einen Namen gemacht. Sein besonderes Verdienst liegt in der Veröffentlichung der ersten jemals gedruckten vollständigen arabischen Ausgabe des Heiligen Korans im Jahre 1694 in Hamburg, allerdings mit typographischen Mängeln. Aus der lateinischen Vorrede zu seiner Ausgabe ist zu entnehmen, dass auf ihn bei der Herausgabe seines Werkes heftige Angriffe aus drei verschiedenen Gruppen gerichtet war: Manche würden behaupten, die Arbeit verdiene die Mühe nicht, manche kritisieren, dass ein Theologe so viel Mühe für eine andere Religion aufwendet, und andere kritisieren, dass dem arabischen Text keine Übersetzung bzw. Kommentierung beiliege. Hinckelmann verwies darauf, dass man den Heiligen Koran gut kennen müsse, um ihm besser entgegnen zu können und auf die Sprachnähe zum Hebräischen, so dass man mit der Sprache des Heiligen Korans auch die Bibel besser verstehen könne. (Vgl. Enzyklopädie des Islam, 1927: 330)
Es ist zu erwähnen, dass viele Koranübersetzer im 17. und 18. Jahrhundert die evangelische Geistlicher waren.
Danach hat Johan Lange den Heiligen Koran ins Deutsche übersetzt. Er veröffentlichte diese Übersetzung im Jahre 1688 unter dem Titel „Die türkischen Gesetze oder Mohamets Koran“.
Die Ankündigung des Buches auf dem Titelblatt behauptete, dass zum „allerersten mahl und vollständig“ die Übersetzung des Heiligen Korans ins Deutsche erfolgt sei. Johan Lange hatte sie allerdings nicht direkt aus dem Arabischen angefertigt, vielmehr war das arabische Original zuerst ins Französisch, danach ins Niederländische und daraus ins Hochdeutsche übersetzt worden. (Enzyklopädie des Islam, 1936, 16)
Der fünfte Übersetzer des Korans ins Deutsche ist David Nerreter, ein evangelischer Geistlicher. Er hat den Heiligen Koran aus dem Italienischen von Ludovico Marracci übersetzt und wurde 1703 in Hamburg erschienen. Diese Übersetzung hat viele typographische Mängeln.
Der nächste deutsche Koranübersetzer ist Theodor Arnold. Er beendete seine Koranübersetzung 1746. Allerdings wurde sie nach dem englischen Übersetzung von George Sale übertragt. Seine Koranübersetzung versieht er auch mit Erläuterungen. Bei der Übersetzung beachtet er, die Namen der Suren zu übersetzen, und sie mit dem Ort der Offenbarung zu versehen. Arnolds Übersetzung gilt als erste Übersetzung, die zumindest den Anschein einer neutralen Übersetzung hat, denn im Gegensatz zu den früheren Übersetzungen versucht er Missverständnissen, durch ausführliche Erläuterungen zu vermindern.
David Friedrich Megerlin gilt als sechter Übersetzer des Heiligen Korans ins Deutsche. Seine Übersetzung ist allerdings die erste, die direkt aus dem Arabischen erfolgte. Er war ein evangelischer Theologe. Ab 1729 war er Direktor an einem Gymnasium.
Seine Koranübersetzung ins Deutsche erschien 1772 unter dem Titel „Die türkischen Bibel, oder der Koran“. Er vermischte die Religion des Islam noch mit der osmanischen Gefahr. In dem Druck befand sich ein Kupferstich mit einer hasserfülten frei erfundenen Abbildung des „Mahumed, der falsche Prophet“. Sein Ziel war, mit dieser Übersetzung den Heiligen Koran als „Lügen- und Fabelbuch“ zu entlarven. (Vgl. Megerlin, 1772: 26)
Den Propheten Muhammad (s.a.a.s.) bezeichnet er als „der große Antichrist“ und den Islam als „eine politische Scheinreligion“. (Megerlin, 1772: 25)
Er glaubt, den Leser vor den ketzerischen Einflussen des Heiligen Korans schützen zu müssen und versieht deshalb seine Übersetzung mit zahlreichen Kommentaren. So kommentiert er z. B. Besmelah mit Im Namen des dreieinigen Gottes.
Seine Übersetzung ist von zahlreichen syntaktischen und semantischen Fehlern gezeichnet. In diesem Zusammenhang soll erwähnt werden, dass Goethe bei seiner intensiven Beschäftigung mit dem Koran und überhaupt mit der islamischen Kultur u.a. auch diese Übersetzung Megerlins las. (s. Richter, 1985: 942) Er misstraute jedoch diese nach seinem Ausdruck „elende Produktion“, weil Megerlin dabei von dem christlichen Fundamentaltheologie tradierten Feindbild des Islam beeinflusst war. Aus diesem Grund kritisierte Goethe in den Frankfurter Gelehrten Anzeigen vom 22.12.1772 diese Koranübersetzung; er schrieb damals (Witte, 1996: 100):
Diese elende produktion wird kürzer abgefertigt. Wir wünschen, dass einmal eine andere Übersetzung unter morgenländischem Himmel von einem Deutschen verfertigt würde, der mit allem Dichter- und Prophetengefühl in seinem Zelte den Koran läse, und Ahndungsgeist genug hätte, das Ganze zu umfassen.
1773 kam die Übersetzung des Quedlinburger Hofpredigers Friedrich Eberhard Boysen heraus, ein evangelischer Theologe, Lehrer, Schriftsteller und Übersetzer, die im Anhang Bittgebete der Ahl-ul-Bait beinhaltet und 1828 vom Orientalisten Samuel Friedrich Günther Wahl überarbeitet wurde. Die sprachliche Form dieser Übersetzung war verfehlt und überholt. Alle diese bisherigen Übersetzungen ins Deutsche spiegelten stark die dogmatischen Vorbehalte der Kirche wieder.
Seine Koranübersetzung ins Deutsche hat er nach eigenen Angeben direkt aus dem Arabischen vorgenommen. Seine Arbeit fand die Anerkennung der deutschen Fachgelehrten seiner Zeit. Er gilt als der erste Übersetzer, der den poetischen Charakter des Heiligen Korans beschrieben hat.
Boysen ist derjenige, der den Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim, mit dem er befreundet war, zu dessen Gedichtzyklus „Halladat oder Das rothe Buch“ (1774) angeregt hat. Das Buch ist Gleims letzer Versuch, mit einem literarischen Werk einen kommerziellen Erfolg zu erreichen.
1798 versuchte Johann Wilhelm Christian Augusti (1772-1841), ein deutscher evangelischer Theologe, Privatdozent an der Universität Jena und Orientalist, in seinem herausgegebenen Auszug aus dem Koran die poetische Wirkung des Originals zu erhalten. Hierfür fertigte er seine Übersetzung in fünffüßigen Jamben an. Er hat den Koran unter dem Titel „Der kleine Koran, oder Übersetzung der wichtigsten und lehrreichsten Stücke des Korans“ erschienen.
Diese poetische Übersetzungen wurden übel in Deutschland aufgenommen.
Die wichtigste Figur in der deutschen Orientalistik des frühen 19. Jahrhunderts war der Wiener Hofdolmetscher Joseph von Hammer-Purstall (1774-1856). Er gilt als der Begründer der Österreichische Akademie der Wissenschaften in Wien und als österreichischer Pionier der Orientalistik, ein Lehrer Goethes wie von Friedrich Rückert. Er übersetzte 1812 Diwan des Muhammad Schams ad-Din Hafiz, die für Goethe die Anregung zu seinem West-östlichen Divan (1819) bildete. Seine Auffassung vom Koran war sehr positiv. In der Vorrede bezeichnet er den Koran z.B. als „nicht nur des Islam’s Gesetzbuch, sondern auch Meisterwerk arabischer Dichtkunst“. Ferner sagt er: „Mohammed unterjochte sein Volk weniger durch das Schwert, als durch der Rede Kraft“ und „Daher ist der Koran Gottes Wort“ (s. Bobzin, 1995: XIVf). Er hat die erste Geschiche der persischen Literatur unter dem Titel Geschichte der schönen Redekünste Persiens 1818 veröffentlicht. Sein Erfolg im Auswahlkoranübersetzung 1888 gilt als bisher bester Versuch, den Koran in poetisches Deutsch zu übertragen.
Eine weitere Übersetzung stellt die von Ludwig Ullmann dar, einem jüdischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts. 1840 übersetzte er den Koran ins Deutsche. Ullmanns Übersetzung wurde 1950 von einem in der Fachwelt unbekannten Leo Winter neu bearbeitet und im Goldmann-Verlag herausgebracht. Und ist heute noch erhältlich.
1818 hat Friedrich Rückert, ein deutscher Dichter fuhr nach Wien, wo er bei Joseph von Hammer-Purgstall Persisch, Türkisch und Arabisch lernte.
Rückerts Koranübersetzung enthielt nicht alle Suren; man könnte sie deshalb als unvöllständig gebliebene Übersetzung bezeichnen. Trotzdem ist sie bis heute noch die einzige deutsche Übersetzung, die die sinnliche Kraft und sprachliche Schönheit des Korans vermittelt. Die Anfänge von Friedrich Rückerts Koranübersetzung gehen schon in seine Coburgerzeit (1820-1826) zurück, da er als Privatgelehrter lebte (s. Bobzin, 1995: VII). Allerdings ist es zu Lebzeiten Rückerts nicht zu einer Veröffentlichung gekommen. Erst anlässlich des 100. Geburtstages von Rückert im Jahre 1888 der Königsberger Orientalist August Müller den Text aus dem Nachlass heraus. Trotz einiger editorischer Mängel fand Rückerts Koranübersetzung ein positives Echo in der gebildeten Lesewelt ebenso wie in der Fachwelt. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass gerade von islamischer Seite die Besondere Bedeutung von Rückerts Übersetzung hervorgehoben wird.
1842 hat Gustav Flügel, ein deutscher Orientalist, eine Koranübersetzung herausgegeben. Er hat eine List von Koranwörter mit ihre Abjad-alphabet und eine neue Verszählung angefertigt. Seine Ausgabe des Fihrist war einer der wichtigsten Quellen zur älteren arabischen Literatur. Mit dieser wurde der europäischen Wissenschaft erstmals ein zuverlässiger Korantext zur Verfügung gestellt. Auf Flügels Ausgabe beruhten in der Folgezeit nahezu alle Übersetzungen in europäische Sprachen. (Hamidullah, 1353: 653)
Dr. Martin Klamroth war Ende des 19. Jh. ein Übersetzer des Heiligen Korans ins deutsche.
Nur zwei Jahre nach der posthumen Herausgabe von Friedrich Rückerts unvollständiger Koranübersetzungen ins Deutsche im Reimform, wurde 1890 in Hamburg seine Arbeit Die fünfzig ältesten Suren des Korans in gereimter deutscher Übersetzung herausgegeben.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts und die Begründung der deutschen Islamwissenschaft hatte die Religion des Islam steigende Aufmerksamkeit gewonnen. Ignaz Goldziher, Theodor Nöldeke und Christiaan Snouck Hurgronje gelten als Begründer der Islamwissenschaft. Goldziher hat viele islamische Bücher übersetzt und berichtigt. Nöldeke gewann frühe Anerkennung mit seiner kritischen Quellenstudien Geschichte des Qorans (1860). Hurgronje hat wichtige Bücher unter anderem Mohammedanisches Recht (1884) erschienen.
Unter den wissenschaftlichen Koranübersetzungen kann man die deutschsprachigen Übersetzungen von Bernhard Spieß (1894), Hubert Grimme (1895) und Max Henning (1901) erwähnen.
Die Originalübersetzung von Henning ist nicht so nah am Original wie Paret und z. T. stilistisch veraltet („Weiber“ für „Frauen“), aber solide.
Theodor Friedrich Grigull (1850-1915) ist ein Übersetzer des Heiligen Korans ins Deutsche. Sein Übersetzung erschien 1901. Er gibt an, die Übersetzung aus dem Arabischen durchgeführt zu haben. Aber er gibt auch an sich an der Lateinischen Übersetzung „Corani textus arabicum ad fidem librorum manuscriptorum ect. recensuit Gustavus Flügel“ orientiert zu haben. Aufgrund vieler Schwächen wurde die Übersetzung nicht sehr berühmt. Im Original sind die Verse nicht nummeriert.
1916 veröffentlichte der Orientalist Lazarus Goldschmidt in Berlin eine Übersetzung. Bei seiner Übersetzung des arabischen Textes ins Deutsche verzichtete Goldschmidt auf den Versuch, die poetische Komponente des Originals in der Übersetzung nachzubilden. Er legte den Schwerpunkt allein auf die inhaltliche Übertragung. Sprachlich wirkt der Text daher holprig.
Die erste deutsche, für Muslime herausgegebene Koranübersetzung (1938) stammt von Maulana Sadr ud-Din (gest. 1981), dem damaligen Imam der Wilmersdorfer Moschee. Die Ahmadiyya-Bewegung brachte Koranübersetzungen in vielen verschiedenen Sprachen heraus. Die Übersetzung steht der arabische Originaltext gegenüber. Sie wurde 1964 nachgedruckt, allerdings von der 1954 herausgekommenen neuen Übersetzung der Ahmadiyya verdrängt, die seitdem mehrfach überarbeitet wurde. (Bobzin, 1999: 122)
Rudi Paret war ein Islamwissenschafler, von dem eine der bekanntesten Koranübersetzungen ins Deutsche stammt. Seine Übersetzung wurde ersmals 1966 erschienen. Paret verwendete dabei das erste Mal Methoden, um einerseits die wissenschaftliche Genauigkeit der Übersetzung zu gewährleisten und andererseits die flüssige Lesbarkeit durch erläuternde Hinzufügung sicherzustellen. So verwendet er sehr ausführliche Klammersetzungen in seinem Text, der für den ungeübten Leser allerdings gewöhnungsbedürftig ist. Der Islamwissenschaftler Hartmut Bobzin nennt Parets Übersetzung im Vorwort seines eigenen Buches Der Koran die „philologisch nach wie vor am besten begründete“, obwohl es die Übersetzung bis heute nicht gebe. Parets Werk werde in der internationalen Islamwissenschaft hoch geschätzt und sei neben den Übersetzungen von Adel Theodor Khoury und Friedrich Rückert zweifellos die derzeit maßgebliche.
Eine fünfbändige deutschsprachige Übersetzung, die auch den arabischen Text und gleichzeitig zu jedem Vers eine Auswahl aus wichtigen, auf Deutsch übersetzten Kommentaren bringt, wurde von einer Gruppe deutschsprachiger Musliminnen unter Leitung von Fatima Grimm unter dem Titel Die Bedeutung des Korans 1983 herausgegeben. Diese Übersetzung orientiert sich am Zweck der Mission.
Die von Muhammad Ahmad Rassoul erstmals 1986 zu missionarischen Zwecken unter deutschen angefertigte Übersetzung des in Köln wirkenden Imams Ibn Rassoul hat unter deutschsprachigen Muslimen eine weite Verbreitung gefunden.
Der aus dem Libanon stammende und in Münster Lehrende Theologe und Religionswissenschafler Adel Theodor Khoury veröffentlichte 1987 in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Muhammad Salim Abdullah eine neue, vor allem an der Arbeit von Paret orientierte Übersetzung, die u.a. die offizielle Anerkennung des Islamischen Weltkongresses fand.
Der erste Moslem deutscher Muttersprache, der den Koran übersetzte, war Ahmad von Denffer 1996. Er gehört dem Umkreis der Münchener, den Muslimbrüdern nahe stehenden Moschee an. Seine sprachlich höchst eigenwillige Übertragung versteht sich eher als Hinführung zum arabischen Grundtext, nicht als eigenwertige Übersetzung.
Der deutsche Muslim Murad Wilfried Hofmann hat 1999 eine überarbeitete und mit einer neuen Einführung versehene Fassung von Hennings Übersetzung vorgelegt. Die Übersetzung ist zwar nicht Wort für Wort, bleibe aber oft wegen ihrer großen Nähe am koranischen Text holprig.
1999 im Auftrag der Azhar-Universität übersetzte der bekannte ägyptische Germanist Moustafa Maher den Koran ins Deutsche. Die Übersetzung Mahers ist in gutem zeitgemäßen Deutsch verfasst und flüssig zu lesen. Sie hat einen Hang zur beschönigung und folgt im Übrigen gängigem zeitgenössischem muslimischem Koranverständnis.
Amir Muhammad Adib Zaidan hat 2000 eine neue Übersetzung von Koran herausgegeben. Er redet im Titel nicht von einer Übersetzung, sondern von einer „Erläuterung“ des Koran-Textes. Zaidans Koranübersetzung At-tafsir übernimmt zahlreiche arabische Fachbegriffe als nicht übersetzte Fremdwörter. So werden Worte wie Dschihad, Iman, Kufr, Nifaq, Wali oder Zakat im Text nicht übersetzt, sondern in einem Anhang inhaltlich erläutert. Dies kann ein flüssiges Lesen erschweren.
2001 wurde eine Koranübersetzung im Jajromi-Verlag in Teheran herausgebracht. Siegrid Yamini (Schulz) ist ihre Übersetzerin. Sie hat tatsächlich Ullmanns Übersetzung überarbeitet und herausgegeben.
2002 legten Scheich Abdullah as-Samit (Frank Bubenheit) und Nadeem Elyas eine Übersetzung des Korans vor, die durch die Förderung Saudi-Arabies zusätlich legitimierte. Diese Übersetzung, die sich oft an Paret orientierte, ist nah am Original. Festzustellen bleibt, dass sich Bubenheim um eine schlichte, möglichst zutreffende Übersetzung bemüht hat und, dass die gut lesbar und von groben Fehler frei ist.
Eine weitere Übersetzung hat Hans Zirker 2003 in der Islamischen Bibliothek veröffentlicht. Sie ist philologisch auf dem neuesten Stand, geht sorgfältig mit den zentralen Begriffen um und macht den Reichtum der literarischen Formen und die Struktur des Textes bis ins Schriftbild hinein sichtbar; außerdem bietet sie eine für heutige Leser angenehme Sprache.
Im Jahr 2008 erschien erstmals eine kind- und jugendgerechte Übersetzung. Der Koran für Kinder und Erwachsene wurde von der Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor und der Leiterin des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik in Köln, Rabeya Müller-Haque, angefertigt, kommentiert und herausgegeben. Ihre Auswahlkoranübersetung wurde aus unterschiedlichen Gründen, wie z.B. Verwendeung von Bildern in einem Korantext moniriert.
2009 haben Ahmad von Denffer in Zusammenarbeit mit Yusuf Kuhan die englische Koranübersetzung von Muhammad Asad (Leopold Weiss) unter dem Titel The Message of the Qur’an (1980) ins deutsche übertragt.
2009 Ahmad Milad Karimi eine vollständige Neuübersetzung des Korans vor, die im Herder-Verlag in Freiburg erschienen ist. Karimi, der 1994 mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland floh und darin Islamwissenschaft und Philosophie studierte, sucht in seiner Übersetzung konsequent der größtmögliche Nähe zum Original und betont dabei die poetische Qualität des Korans.
Der Erlanger Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft Hartmut Bobzin hat 2011 den Koran übersetzt. Zu seinem Hauptarbeitsgebieten zählt die Koranforschung und die Rezeptionsgeschichte des Islam in Europa. Sein besonderes Interesse gilt dem orientalistischen Werk Friedrich Rückerts. Rückerts dort entstandene Koranübersetzung, die besonders für ihre poetische Sprache bemüht ist, brachte Bobzin 1995 neu heraus. Bobzin weist in seinem Vorwort auch die gängige muslimische Meinung zurück, nur ein Muslim könne den Koran übersetzen.
Äquivalenzdiskussion
Nida und seine Theorie
Der amerikanische Sprachwissenschaftler und Bibelforscher Eugene Albert Nida hat einen weniger streng linguistischen Äquivalenzbegriff vertreten. Er war der Erste, der das Übersetzen als eine Wissenschaft angesehen hat.
Vor dem Hintergrund eine wissenschaftliche Grundlage für die Bibelübersetzung zu schaffen, versuchte Nida das Übersetzen analytisch zu beschreiben. Er stellte fest, dass die unterschiedliche kulturelle Prägung von Menschen dazu führen können, dass eine ausgangssprahcliche Botschaft nicht so, wie vom Autor intendiert, beim zielsprachlichen Leser ankommt. Somit kann der zu transportierende Inhalt verloren gehen, wenn beim Übersetzen die Wirkung auf den Empfänger die Mitteilung außer Acht gelassen wird. Nida unterscheidet zwischen einem alten und neuen Schwerpunkt bei der Übersetzung:
„The older focus in translating was the form of the message, and translators took particular delight in being able to reproduce stylistic specialties, e.g., rhythms, rhymes, plays on words, chiasmus, parallelism, and unusual grammatical structures. The new focus, however, has shifted from the form of the message to the response of the receptor. Therefore, what one must determine is the response of the receptor to the translated message. (…) Correctness must be determined by the extend to which the average reader for which a translation is intended will be likely to understand it correctly.“ (Nida/Taber, 1974: 1)
„Eine Translation ist nicht die Transkodierung von Wörtern oder Sätzen aus einer Sprache in eine andere, sondern eine komplexe Handlung, in der jemand unter neuen funktionalen und kulturellen und sprachlichen Bedingungen in einer neuen Situation über einen Text (Ausgangssachverhalt) berichtet, indem er ihn auch formal möglichst nachahmt.“ (Vgl. Vermeer, 1986: 33)
Die Bibel war in der europäischen Tradition ein Text, dessen Wortlaut als „heilig“ und unantastbar galt. Nida weist darauf hin, dass die sogenannten „heiligen Sprachen“ ebenso den Gesetzmäßigkeiten natürlicher Sprachen unterworfen sind, dass sie genauso kulturgebunden sind wie die Sprachen, in welche die Bibel übersetzt wird.
Nida ist der Meinung, dass das Zielpublikum den Text der Bibel verstehen muss, denn die Verfasser der Bibel haben sie auf ein bestimmtes Zielpublikum und seine Verständnisvoraussetzungen ausgerichtet. (Vgl. Nida/Taber, 1969: 7 f)
Die Erhaltung der ausgangssprachlichen Botschaft und ihre Wiedergabe in der Zielsprache sind die Grundlagen des Übersetzens, so dass es eine gleiche Wirkung auf die Zielgruppe der Zielsprache wie die Zielgruppe der Ausgangssprache hat.
In Übersetzungstheorien werden zwei Wörter „Gleichheit“ und „Gleichwertigkeit“ darstellt.
Gleichheit bedeutet, wenn die Übersetzung sich auf die einzelne Wörter der Oberflächenstruktur des AS-Textes beschränkt.
Gleichwertigkeit bedeutet aber, wenn eine Übersetzung wie Original klingen sollte, damit die Empfänger die Botschaft hier möglichst gleichartig reagieren wie die Empfänger in der Ausgangskultur.
Nach Nida ist die Gleichwertigkeit des AS-Textes mit dem ZS-Text wichtiger als Gleichheit. „Der Übersetzer muss sich um Gleichwertigkeit und nicht um die Gleichheit bemühen“ (Nida/Taber, 1969: 11).
Nida verwendet Botschaft statt Inhalt des Textes im Übersetzen.
Er unterscheidet zwischen formaler und dynamischer Äquivalenz:
formale Äquivalenz liegt vor, wenn sich eine Übersetzung möglichst an den ausgangssprachigen Text anlehnt und seine Elemente lediglich mit foraml korrespondierenden Mitteln wiedergibt. Die Übersetzung orientiert sich also an den einzelnen Elementen der Oberflächenstruktur (= an einzelnen Wörtern) des AS-Textes.
dynamische Äquivalenz dagegen liegt dann vor, wenn der zielsprachige Text so an die zielkulturellen Gegebenheiten angepasst wird, dass die Botschaft des Ausgangstextes erhalten wird und in der Zielkultur eine identische Wirkung erzielt wird.
Die Probleme, die bei der Suche nach Äquivalenten auftauchen, systematisiert E.A. Nida folgendermaßen:
In der ZS-Kultur fehlt ein Element, das mit einem AS-Kulturelement korrespondiert;
AS und ZS unterscheiden sich dadurch, daß nicht dieselben Elemente fakultativ bzw. obligatorisch sind;
Der Grad der decodability kann verschieden sein in AS und ZS, d.h. bestimmte Zeichen für bestimmte Sachverhalte sind in der AS geläufiger als die entsprechenden in der ZS. (Koller, 1992; 156 f)
Der zielsprachliche Text soll für den Rezipienten nicht mehr als Übersetzung erkennbar sein, sondern verständlich und natürlich („closest natural equivalent“) wirken. Der kommunikative Wert des Originals soll als Invariante erhalten bleiben.
Mit der Einführung der „dynamischen Äquivalenz“ weist er darauf hin, dass kontextuelle und dynamische Übereinstimmung wichtiger als wörtliche und formale Überseinstimmung sind und die Berücksichtigung der Kultur der zielsprachigen Adressaten wichtiger als die Imitation der Ausgangskultur ist (vgl. Nida & Taber 1969: 112).
Formale Entsprechungen reichen in der Regel nicht aus, um die Botschaft eines Textes in einem anderen kulturellen Umfeld adäquat zu übermitteln. Deshalb hält Nida die Erzielung der dynamischen Äquivalenz für wichtiger. Das oberste Kriterium für das Erzielen der dynamischen Äquivalenz ist jenes der Wirkungsgleichheit.
Dabei betrachtet er vor allem die Unterschiede zwischen Sprach- und Kultursystem und macht anhand seiner Erfahrungen bei den linguistischen Feldforschungen und der Bibelübersetzung darauf aufmerksam, dass Unterschiede zwischen den Kulturen ein weit größeres Problem für Übersetzer darstellen können als Unterschiede in Sprachstrukturen. (Vgl. Nida, 1964: 161)
Die Betrachtung des Übersetzungsprozesses mit dem Gewicht auf dem Prinzip der dynamischen Äquivalenz ist empfängerbezogen; E.A. Nida spricht denn auch nicht von target language (ZS), sondern von receptor language (Sprache der Empfänger). Man kann von einer pragmatisch ausgerichteten Übersetzungswissenschaft sprechen oder, wie E.A. Nida (1976: 68) es tut, von einer soziolinguistischen Übersetzungstheorie. Aus dieser Sicht wird die Vorstellung abgelehnt, dass es eine und nur eine optimale Übersetzung eines Textes geben könne: Übersetzungen stellen sich auf verschiedene Empfängergruppen ein (Koller, 1992: 157):
Varying educational levels, occupations, and interests greatly affect the ability of people to understand a message. Accordingly, it may be necessary to prepare quite different translations of the same text for such disparate groups as university students, primary-school graduates, newly literate adults, school children reading in a foreign language, and the mentally retarded. As a matter of fact, the Bible Societies are currently producing distinct translations of the Scriptures for precisely these different classes of receptors. (E.A.Nida, 1964: 68 f.)
Der Sachverhalt, daß Übersetzungen meistens länger sind als ihre Originale, hängt nicht nur mit der strukturellen Verschiedenheit der Sprachen zusammen, sondern insbesondere damit, daß der Übersetzer oft zusätzliche Informationen in die Übersetzung einbauen muß, um sie verstehbar zu machen. (…) Er hat die Aufgabe, den ZS-Text inhaltlich und formal so zu „bearbeiten“, daß es zu keiner Überforderung des Empfängers kommt. Die message, die Mitteilung, muß sprachlich so gefaßt sein, daß sie den „Kanal des Empfängers“ problemlos passieren kann; die ZS-Mitteilung muß kanalgerecht gestaltet werden, indem zusätzliche (z.T. redundante) Informationen eingebaut wird. (Koller, 1992: 157)
„Alle Aussagen einer Sprache können auch in einer anderen gemacht werden, wenn nicht die Form ein wesentlicher Bestandteil der Botschaft ist“ (Nida/Taber, 1969: 4). Dies führt auch zu einer neuen Einstellung zu den Ausgangstexten, weg vom „heiligen Original“: „Die Sprachen der Bibel unterliegen den gleichen Beschränkungen wie jede andere natürliche Sprache. Die Verfasser der biblischen Bücher erwarteten, verstanden zu werden“ (ebd.:6).
Nidas Arbeiten waren für die Entwicklung der Übersetzungswissenschaft so bedeutend, weil er erstmals auf die anvisierten Empfänger der Übersetzung als außersprachliches Element hingewiesen hat. So lautet die berühmte Definition des Übersetzens bei Nida/Taber:
Übersetzen heißt, in der Empfängersprache das beste natürlichste Gegenstück zur Ausgangsbotschaft zu schaffen, erstens was der Sinn und zweitens was den Stil anbelangt.
Diese in der Literatur wohl am meisten zitierte Definition impliziert das Prinzip der „dynamischen Äquivalenz“. Bei Nida werden zweierlei Entsprechungen unterschieden:
Formal equivalence focuses attention on the message itself, in both form and content. In such a translation one is concerned with such correspondences as poetry to poetry, sentence to sentence, and concept to concept. Viewed from this formal orientation, one is concerned that the message in the receptor language should match as closely as possible the different elements in the source language. (…) A translation of dynamic equivalence aims at complete naturalness of expressions, and tries to relate the receptor to modes of behavior relevant within the context of his own culture; it does not insist that he understands the cultural patterns of the source language context in order to comprehend the message. (Nida, 1964: 159)
Nida interessiert sich vor allem für das Funktionieren der Zeichen in der Zielsprache und weniger für den Bedeutungsinhalt als solchen. Die „formale Äquivalenz“ erinnert an SCHLEIERMACHERS verfremdende Übersetzungsmethode, während „dynamische Äquivalenz“ der Methode des Verdeuschens bei LUTHERS entspricht. Die geforderte „Gleichwertigkeit“ meint natürlichen Klang in der Zielsprache, d.h. dass eine Übersetzung wie ein Original klingen sollte, damit die Empfänger der Botschaft hier möglichst gleichartig reagieren wie die Empfänger in der Ausgangskultur (Nida/Taber, 1969: 169). Damit wird im Grund die ursprügliche Botschaft auf ihre Funktion reduziert. So entsteht ein „System von Prioritäten“ für den Übersetzer:
Kontextgemäße Übereinstimmung ist wichtiger als wörtliche Übereinstimmung.
Dynamische Gleichwertigkeit ist wichtiger als formale Übereinstimmung.
Die fürs Ohr bestimmte Form der Sprache hat Vorrang vor der geschriebenen.
Formen, die von den vorgesehenen Hörern der Übersetzung gebraucht und anerkannt werden, haben Vorrang vor traditionellen Formen, auch wenn diese größeres Ansehen genießen. (Vgl. Nida/Taber, 1969: 13)
Je stärker die Übersetzung E.A. Nidas Prinzip der formalen Äquivalenz bzw. F. Schleiermachers verfremdender Übersetzungsmethode verpflichtet ist, desto größer ist die Herausforderung für ZS, ZS-Kultur und ZS-Empfänger, und desto mehr muß die ZS ihren dynamischen und veränderbaren Charakter unter Beweis stellen. (Koller, 1992: 173)
Nida und Tabers Übersetzungsmethode:
Als Übersetzungsmethode wird vor dem Hintergrund der Generativen Transformationsgrammatik, die vereinfacht übernommen wird, ein Verfahren empfohlen, das aus drei Phasen besteht: einer Analyse, der Übertragung, und dem Neuaufbau. Nida hat gewisse Ähnlichkeiten zwischen Sprachen entdeckt und setzt diese mit den Tiefenstrukturen (kernels) gleich.
It may be said, therefore, that in comparison with the theoretical possibilities for diversities of structures languages show certain amazing similarities, including especially (1) remarkably similar kernel structure from which all other structures are developed by permutations, replacements, additions, and deletions, and (2) on their simplest structural levels a high degree of parallelism between formal classes of words (e. g. nouns, verbs, adjectives, etc.) and the basic function classes in transforms: objects, events, abstract and relationals (Nida, 1964: 68).
Im Buch von Nida/Taber wird die Übersetzungsmethode anhand zahlreicher Beispele biblischer Texte entfaltet.
Es werden mittels intuitiv begründeter Rückführung von Sätzen aus der Oberflächenstruktur (A) in Elementarsätze einfachere Strukturen (nearkernels) gebildet, die in einem zweiten Schritt einfache zielsprachliche Strukturen umgesetzt werden, aus denen dann in einem dritten Schritt die Übersetzung (B) wieder aufgebaut wird. Nida und Taber verwenden folgende Darstellung (Nida/Taber, 1969: 32):
A (Ausgangstext) B (Endergebnis)
Analyse Synthese
x Übertragung y
In der Analysephase bedient sich der Übersetzer der intuitiv umschreibenden Rückumformulierung in Elementarsätze zum Zweck der Erhellung des inhärenten Sinngehalts von Wortverbindungen (Syntagmen), z. B. der bekannten Wendung „der Wille Gottes“:
Was ist die Beziehung z. B. zwischen Gott und Wille in der Wendung der Wille Gottes? Offensichtlich ist es „Gott“, der zweite Bestandteil, den der ersten Bestandteil „will“. Wir können auch sagen: „B tut A“, d.h. „Gott will“. (…) In der Wendung der Gott des Friedens reden wir nicht von einem friedlichen Gott, sondern von Gott, der Frieden schaft oder verursacht. Die Beziehung zwischen A und B in diesem Beispiel ist fast genau das Gegenteil der Beziehung in der Wille Gottes; denn in der Gott des Friedens müssen wir sagen A verursacht B (Nida/Taber, 1969: 34).
Bei der Frage nach der Wortbedeutung verweisen Nida/Taber auf die Kennzeichnung durch Syntax und Sinnbeziehung in Begriffklassen:
Wie ein Wort zu verstehen ist, d. h. unter welcher Kategorie es zugeordnet wird, hängt völlig vom jeweiligen Kontext ab. Z. B. in dem Satz „ich sehe die Sonne“ bezeichnet die Lautung Sonne einen Gegenstand; in „ich sonne mich gerne“ steht sie für ein Ereignis; und in „das ist doch sonnenklar“ dient sie als Teil eines Abstraktums. (Vgl. Nida/Taber, 1969: 35)
In der Transferphase sind dann die gewonenen Elementarsätze in der Zielsprache stilistisch so zu bearbeiten, das die Formulierungen für die anvisierten Empfänger verständlich sind. Durch die Analyse werden komprimierte Wendungen notwendig vereinfacht, aber auch klarer verständlich. Die Elementarsätze werden in der Transferphase so umformuliert, dass sie in der Zielsprache vom Empfänger verstanden werden. Stolz schreibt hierzu:
„Dabei werden viele Anpassungen nötig, idiomatische Redewendungen gehen verloren, Bedeutungskomponenten von Wörtern werden verschoben, oft müssen Erläuterungen in den Text eingebaut oder dieser mit Fußnoten ergänzt werden.“ (Stolz, 2005: 90)
Aus Nida/Tabers Übersetzungsmethode ergeben sich Prioritäten, die zusammenfassend genannt werden:
Um jeden Preis muss der Inhalt der Botschaft mit kleinstmöglichen Verlusten oder Verzerrungen übertragen werden. Der direkte begriffliche Inhalt der Botschaft hat den höchsten Vorrang.
Zweitens ist es sehr wichtig, die Nebenbedeutungen, die gefühlsmäßige Atmosphäre und Eindringlichkeit der Botschft so gut wie möglich wiederzugeben.
Wenn man bei der Übertragung von Inhalt und Gefühlswerten der Botschaft aus einer Sprache in die andere auch etwas von der Form bewahren kann, dann sollte man es tun. Aber unter gar keinen Umständen darf die Form Vorrang vor den anderen Aspekten der Botschft erhalten. (Vgl. Nida/Taber, 1969: 125)
Schließlich sind in der Synthesephase vor allem die stilistischen Unterschiede und die Sprachebenen zu beachten. Die Strukturgrundlage für die Vielfalt des Stils bilden Umformungen, die alle auf einen Elementarsatz zurückgehen.
Mit Nida/Tabers Ansatz wurde die Grund für die moderne Übersetzungswissenschaft gelegt, denn mit den syntaktischen Analyseschritten wurde hier erstmals sprachwissenschaftliche Aspekte ins Übersetzen von Texten eingebracht. Dabei wird angedeutet, dass mit der vollständigen Analyse des Ausgangstexts auch die Gesamtintention der Botschaft erfasst würde. Freilich bleibt die sinngliedernde und stilistische Formulierungsentscheidung weitgehend der Intuition und Sachkenntnis des Übersetzers überlassen und wird nicht wirklich wissenschaftlich deduziert. Auch gibt es noch keine satzübergreifende Überlegungen.
Eine weitere Konsequenz dieser Sprachkonzeption ist es, dass keine Übersetzung endgültig sein kann: jede Übertragung ist von ihrer Zeit geprägt, von der jeweiligen Sprache, sowie vom Übersetzer und der von ihm gewählten, als dominant ausgelegte Perspektive.
Grundvoraussetzungen für eine gute Koranübersetzung
Diese gelten als die Grundvoraussetzungen für eine Koranübersetzung: (Vgl. Ayatullah Ma’rifat, 1383: 200)
Die Beherrschung in der Struktur der arabischen Sprache und auch in der Bedeutung der Wörter und Redewendungen in beiden Ausgangs- und Zielsprachen ist die zweite notwendige Voraussetzung für eine Koranübersetzung.
Eine der notwendigen Voraussetzungen für die Koranübersetzung ist die ausreichenden Kenntnisse des Übersetzers auf den allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst und besonders auf der Theologie und Islamwissenschaft.
Durch ein Beispiel (Sure 2, Vers 178) kann man dieses Thema klarmachen:
(… وَكُلُواْ وَاشْرَبُواْ حَتَّى يَتَبَيَّنَ لَكُمُ الْخَيْطُ الأَبْيَضُ مِنَ الْخَيْطِ الأَسْوَدِ مِنَ الْفَجْرِ…)
Deutsche Übersetzung von Zaidan als die Richtige:
„Und esst und trinkt, bis für euch der weiße Faden (der Dämmerung) vom schwarzen Faden (der Nacht) unterscheidbar wird.“
Deutsche Übersetzung von Paret als die Falsche:
„Und eßt und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt!“
In diesem Vers wird gezeigt, dass Paret die Bedeutung nicht richtig verstanden hat und nicht die ausreichenden Kenntnisse auf dem Fasten im Islam besitzt. Daher fertigte er eine unverstehbare Übersetzung an. Es wird darauf hingewiesen, dass ausschließlich die Beherrschung der Wörter in die Zielsprache nicht genügt, sondern muss der Übersetzer guten Kenntnisse auf dem islamwissenschaftlichen und theologischen Gebiet haben.
Ein Koranübersetzer muss die Prinzipien, Theorien und auch Methoden der Übersetzung beherrschen. Besser gesagt, er muss ein Spezialist auf dem Gebiet der Übersetzungswissenschaft sein.
Jede Koranübersetzung ist eine Art der Auslegung des Korans, deshalb ist für einen Koranübersezter die Beherrschung der Bereich der Auslegung des Korans erforderlich.
Die Koranübersetzung muss in reiner Atmosphäre ohne jede böse Absicht gegen den Islam oder ohne jeder dogmatische und blinde Glaube gemacht werden.
Es ist nötig, dass die übersetzte Verse des Korans neben den arabischen originalen Versen gestanden werden, damit der Leser diese beiden mühelos miteinander vergleichen kann.
Ein Koranübersetzer braucht keine Fachausdrücke und speziellen Bezeichnungen in seiner Übersetzung zu verwenden, sonst wird seine Übersetzung für alle nicht verständlich und klar.
Ein



قیمت: تومان

دسته بندی : پایان نامه ارشد

پاسخ دهید